Ob für perfektes „Matchmaking“ für Fördercalls oder neutrale digitale Assistenten für Experimente: Die Cloud-Plattform Microsoft Azure unterstützt Forscher*innen unterschiedlichster Disziplinen an der Uni Wien. Seit mittlerweile 3 Jahren fördert der ZID innovative Forschungsprojekte, die Azure nutzen und hilft den Beteiligten beim Einstieg in die Plattform.
Die Förderperiode des vergangenen Jahres ist abgelaufen – Zeit für die nächste Runde und einen Rück- und Ausblick auf alte und neue Projekte.
Rückblick 2025: Fokus auf Text und Dialog
Die Förderung 2025 war geprägt von Projekten, die textbasierte Anwendungen entwickelten und nutzten, wie etwa diese beiden Beispiele:
SciTextMatch zeigte eindrucksvoll, wie KI den Forschungsalltag entlasten kann. Das Projektteam nutzte die KI-Plattform Microsoft Foundry über Azure, um das Potenzial für Kooperationen zwischen Forschenden zu analysieren, etwa durch den Vergleich von Publikationen.
„Unser Ziel war es, die Identifizierung vielversprechender Kooperationspartner*innen und passender Förderprogramme zu automatisieren. Im konkreten Fall ging es um mögliche Kooperationen zwischen der Universität Wien und der University of Toronto, denen zugleich relevante Ausschreibungen des EU-Förderprogramms Horizon Europe vorgeschlagen wurden. So möchten wir Zusammenarbeit genau dort ermöglichen und fördern, wo sie am sinnvollsten ist“, erklärt Lilian Nowak von der Abteilung Forschungs- und Publikationsservices der Universitätsbibliothek.
Parallel dazu nutzte Can Çelebi vom Vienna Center for Experimental Economics die Microsoft Foundry für seine Forschung im Bereich der experimentellen Ökonomie. In diesem Feld kann ein Chatbot eingesetzt werden, um das Verständnis der Teilnehmer*innen für das Experiment zu verbessern. So lassen sich Störfaktoren reduzieren, die entstehen, wenn Proband*innen die Regeln und Abläufe der Aufgabe nicht vollständig erfasst haben. In dieser Rolle ist es wichtig, dass der Chatbot das Verständnis unterstützt, aber gleichzeitig alle Informationen vermeidet, die die Überzeugungen, Präferenzen oder Entscheidungen der Teilnehmer*innen beeinflussen und damit die Versuchsergebnisse verfälschen könnten.
Im Rahmen seines Projekts entwickelte Çelebi zusätzliche, auf Sprachmodellen basierte Agenten. Diese simulieren Teilnehmer*innen mit unterschiedlichen Eigenschaften und interagieren mit dem Anweisungsbot, um ihn einem Stresstest zu unterziehen. So lässt sich untersuchen, ob der Anweisungsbot dazu gebracht werden kann, beeinflussende Informationen preiszugeben, statt den Teilnehmer*innen lediglich zu helfen, die Aufgabe zu verstehen. „Neutralität ist in der Forschung sehr wichtig. Dank der Möglichkeiten, die Azure bietet, können wir nun besser feststellen, ob eine KI im Rahmen eines Experiments in der Rolle eines neutralen Helfers bleibt”, erklärt Çelebi.
Ausblick 2026: von IT-Sicherheit bis Impfberatung
Ein Blick auf die 8 neuen geförderten Projekte zeigt erneut unterschiedlichste Anwendungsszenarien der Azure-Services in der Forschung:
- Thematische Vielfalt: Die Bandbreite reicht von der Physik, wo komplexe Simulationen im Forschungsbereich des Magnetismus durchgeführt werden sollen, bis hin zur Rechtswissenschaft, wo das Dickicht des österreichischen Verfassungsrechts mittels Sprachmodellen analysiert wird.
- Sicherheit im Fokus: 2 Projekte prüfen die Robustheit von KI-Modellen gegenüber Angriffen oder versuchen, Phishing-Webseiten durch ein Zusammenspiel von Bild- und Textanalyse automatisiert zu erkennen.
- Gesellschaftlicher Impact: Ein Projekt der Fakultät für Psychologie testet, wie KI-Chatbots die Impfberatung verbessern können, indem sie medizinische Informationen verständlich aufbereiten.
Azure als Multitool
Die Nutzung der Cloud wird vielfältiger: „Im KI-Kontext haben die Projekte der ersten Förderrunden ausschließlich verschiedene GPT-Modelle genutzt. Nun wird vermehrt die gesamte Palette der Microsoft Foundry ausgeschöpft, darunter eine Vielzahl unterschiedlicher Sprachmodelle wie Claude, Grok, Mistral oder DeepSeek“, berichtet Fabian Jusufi aus der Stabsstelle Coordination Digital Transformation des ZID.
Er ergänzt: „Einige Projekte verwenden die skalierbaren Rechenressourcen der Azure Cloud. Ein Projekt des Instituts für Staatswissenschaften verbindet diese Ressourcen zum Beispiel mit den Möglichkeiten zur Bildanalyse durch Azure-Vision-Modelle. Auf diese Weise können mehrere tausend hochauflösende Fotos von Wahlplakaten ausgewertet werden.“
Die Projekte der diesjährigen Förderrunde starten jetzt ihre Umsetzung in Azure. Fabian Jusufi und die gesamte Stabsstelle Coordination Digital Transformation freuen sich darauf, die Forscher*innen bei ihren nächsten Schritten in die Cloud zu begleiten.